Informierte Patienten: Von Ärzten kritisch gesehen

Veröffentlicht Mittwoch Juni 29, 2016

Informierte Patienten: Von Ärzten kritisch gesehen
Photo: © Jan Voth

Dr. Brigitte Mohn
©Bertelsmann Stiftung/Jan Voth

In Zeiten digitaler Möglichkeiten legen immer mehr Menschen Wert darauf, sich zu Gesundheit oder Krankheiten autark zu informieren. Eigentlich längst eine Selbstverständlichkeit. Eine Umfrage der Bertelsmann Stiftung brachte aber jüngst an den Tag: Viele Ärzte sehen solche Patienten kritisch.

Eigenständige Online-Recherchen gelten als problematisch. So das Ergebnis einer Online-Umfrage unter Ärzten, die die Bertelsmann Stiftung gemeinsam mit der Barmer GEK im Juni vorstellte. Daran hatten 804 Mediziner teilgenommen.

45 Prozent der befragten Ärzte stimmten demnach der Aussage zu, die Selbstinformation der Patienten erzeuge vielfach unangemessene Erwartungen und Ansprüche, die die Arbeit der Mediziner belaste. Fast ein Drittel (30 Prozent) der Ärzte ist der Ansicht, dass die Selbstinformation die Patienten meist verwirre und das Vertrauen zum Arzt beeinträchtige. Knapp ein Viertel der Ärzte rät Patienten sogar aktiv von der eigenständigen Suche nach Informationen ab. Und knapp zehn Prozent der Befragten gaben zu, sich darüber zu ärgern, dass die Klientel nicht zuerst persönlichen Rat gesucht habe.

Umgekehrt stellte sich aber auch heraus: Nur ca. jeder zweite befragte Arzt hat in seiner Praxis ausreichende Informations-Unterlagen zu verschiedenen Bedürfnissen parat.

Der Trend ist allerdings ein anderer: „Es ist eine unumkehrbare Entwicklung, dass immer mehr Patienten ihre Krankheitssymptome und die dazugehörigen Therapiemöglichkeiten im Internet recherchieren“, sagt Dr. Brigitte Mohn, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung. Daher sollten Ärzte die Selbstinformation ihrer Patienten als Chance betrachten und fördern.

„Auch was das Thema Gesundheit angeht, sind die Menschen heutzutage viel anspruchsvoller und selbstbewusster. Ein gut informierter Patient, der auf Augenhöhe mit dem Arzt über Krankheit und Behandlungsoptionen diskutiert, sollte das Ziel aller an der Versorgung Beteiligten sein“, so Dr. med. Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der BARMER GEK.

Die Studie gibt es als kostenlosen Download unter:

https://www.bertelsmann-stiftung.de//de/publikationen/publikation/did/gesundheitsmonitor-nr-22016-informierte-patienten-und-unzureichend-vorbereitete-aerzte/

(ch)

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